Rückblick

Konzentriert und ausdrucksstark Brahms "Ein deutsches Requiem"



Auf neuen Wegen musikalischer Zusammenarbeit: Brahms’ Requiem beeindruckt in St. Martin

Nienburg. Ein gewaltiges Werk, ein ungewöhnlicher Abend, Höhepunkt der Kirchenmusik-Saison 2012 in St. Martin: „Ein deutsches Requiem“ von Johannes Brahms. Nienburgs Kantor Christian Scheel hatte dafür neue Wege musikalischer Zusammenarbeit eingeschlagen, die konzertbewährte Nienburger Kantorei mit der Kreiskantorei Stolzenau-Loccum zusammengeführt und mit der Philharmonie des Theaters für Niedersachsen (TfN) aus Hildesheim für den stimmig instrumentalen Unterbau gesorgt.

Die Erwartungen an dieses große Requiem (das einzige in deutscher Sprache, für das Brahms, der religiöse Freigeist, Psalmen und Texte selbst ausgewählt hat) waren groß im voll besetzten Kirchenraum.  Ist es doch in seiner Einmaligkeit glanzvoller Höhepunkt romantischer Chorliteratur, von Brahms in faszinierender Tonsprache zum Trost der Lebenden geschrieben. Diese Intention fand mit dem Vorabend  zum Volkstrauertag als Aufführungstermin ihre gut gewählte Entsprechung.

Die Zusammenführung beider Chöre erwies sich dabei als guter Griff Christian Scheels. Mit großer Umsicht führte er,  auf die Partitur verzichtend, seine Kantorei sowie die Kreiskantorei (bestens vorbereitet von Stolzenaus Kreiskantor André Hummel) mit empfindsamem Dirigat, ließ den großen Chorklang in intensiven Klangfarben aufblühen. Klare Artikulation, gestaltender Ausdruck und gut gebaute Dynamik waren der Anspruch an Sängerinnen und Sänger, die diesen in starker Doppelchor-Präsenz engagiert mitgehend erfüllten.

Ihnen war die Philharmonie des TfN in allen sieben Teilen dieses reichhaltigen Werkes eine souveräne, hochkonzentrierte und mitgestaltend wirkende Partnerin. Klangschön und ausdrucksstark verwoben sich Instrumental- und Chorklang vom fein getragenen Piano bis hin zum triumphal aufleuchtenden Fortissimo im spannungsreichen Zauber dieses Requiems, in der Reichhaltigkeit seiner packenden  Dramatik wie in seiner zart berührenden Empfindsamkeit.

Die Gesangssolisten fügten sich nahtlos in die Intensität von Brahms ergreifender Tonsprache: in beseelter Hingabe die Sopranistin Yoora Lee-Hoff, mit ausdrucksvoll gestaltendem Bariton Birger Radde.

 

Ein großer Abend, der lange nachklingt.                           TONKA ANGHELOFF