Geschichte

Die St. Martinskirche ist das Zentrum der Stadt Nienburg, ihr Turm ist das von weitem sichtbare Wahrzeichen. Die Pfarrkirche St. Martin ist sehr wahrscheinlich im Jahr 1451 geweiht worden und ist eine dreischiffige Spätgotische Hallenkirche. Bis auf den Turm ist das Bauwerk seit der Weihe vor 560 Jahren unverändert.

Eine romanische Kirche - der Vorgängerbau der heutigen St. Martinskirche - hat es bereits im späten zwölften Jahrhundert gegeben, ein Pfarrer in Nienburg ist erstmals 1237 bezeigt. Zu den Resten dieser romanischen Ursprungskirche gehören der Unterbau des Kirchturms und Portalreste sowie offenbar wiederverwertete Sockelquader in en Außenwänden der Hallenkirche.

Der 1451 beendete Umbau der Kirche ist vermutlich zur Zeit der Teilung der Grafschaft Hoya begonnen worden, um auch in Nienburg eine repräsentative gräfliche Grablege mit Krypta und Chorumgang zu schaffen.

Das Aussehen der Kirche wird heute vor allem durch den 73Meter hohen Kirchturm geprägt. Der Sockel aus Sandstein stammt noch aus dem 13. Jahrhundert. Der ursprüngliche Kirchturm ist im dreißigjährigen Krieg stark beschädigt worden und wurde nach dem Krieg durch einen Notturm ersetzt. 1896 wurde dieser Notturm abgetragen und durch den 73 Meter hohen neugotischen Turm aus Ziegeln mit Kupferdach ersetzt.

Nach 1961 wurde der Innenraum saniert. Dabei wurden die Emporen ausgebaut, um den Hallenraum wiederzugewinnen. Im Zuge dieser Sanierung wurde auch die neugotische Ausstattung mit Altar und Kanzel entfernt. Die alten Altarfiguren sind zurzeit wieder in der Kirche zu sehen.

Den 1961 erbauten neuen Altar zieren die Sandsteinfiguren der Zwölf Apostel des Meisters von Osnabrück (um 1520), die ursprünglich möglicherweise ein Sakramentshäuschen geziert hatten. Sie wurden 1830/31 aus der Kirche entfernt und gelangten in den Besitz des Baurats Quaet-Faslem. Erst 1987 kehrten sie in die Martinskirche zurück: Eine gemeinsame Spendenaktion von Kirche und Stadt hatte sie vor einer Versteigerung in London gerettet.

Im Gewölbe des Turms stehen an der Südwand die Sarkophage der Grafen Jobst II. von Hoya und seiner Gemahlin Anna, beide gestorben 1545. An der Nordwand befinden sich die Sarkophage von Otto VIII. von Hoya (+1582) und seiner Gemahlin Agnes (+1589).

Zur weiteren Ausstattung der Kirche gehören zahlreiche Epitaphe verschiedener Nienburger Familien und Einzelpersonen.

Die neue Orgel ist 1997 von der Werkstatt Jann aus Alkoven bei Regensburg nach dem Prospektentwurf des Architekturbüros Grundmann und Hein, Hamburg, eingebaut worden. Sie verfügt über 38 Register in drei Manualen und einem Pedalwerk und über einen Zimbelstern.

Quelle: Ev.-luth. Pfarrkirche St. Martin Nienburg/Weser, Text: Christoph Brockes, Schnell Kunstführer Nr. 2395, 1. Auflage 1999. Diesen kleinen Kunstführer erhalten Sie in der Kirche und im Gemeindebüro.