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Broschüre zu den neuen Paramenten erhältlich



Die neuen Paramente von St. Martin: gedeutet von Pn. Henrike Müller und P. Marco Voigt, entworfen von Henning Diers und gestickt von Insea Hohlt-Sahm.

Eine vierfarbige Broschüre mit der Darstellung der neuen Paramente in Wort und Bild ist nun in der Kirche und im Gemeindebüro gegen eine Gebühr von 5 € zu erhalten.

 

Aus der Broschüre:
Zum Geleit (P. Marco Voigt)

Am Anfang standen die Entwürfe: Der Künstler Henning Diers stellte sie dem Kirchenvorstand vor und stieß mit seinen Motiven auf große Zustimmung. Insea Hohlt-Sahm, ehemalige Äbtissin des Klosters Mariensee, bot an, die Stickereiarbeiten im Klosterstich auszuführen. Sticken ist für sie, die schon zahlreiche großformatige Arbeiten im traditionellen Klosterstich ausgeführt hat, wie malen mit der Nadel. Etwa drei Monate benötigt sie für einen Paramentensatz, der jeweils aus drei Paramenten für den Altar, die Kanzel und den Lesepult besteht. Rot, Grün, Violett und Weiß sind die Farben, die für die entsprechenden Zeiten im Kirchenjahr gebraucht werden. Und so wurden die Paramente immer kurz nach ihrer Fertigstellung an einem passenden Tag in festlichen Gottesdiensten in Gebrauch genommen. Pn. Henrike Müller und P. Marco Voigt legten ihren Predigten die Farben und Motive der Paramente zugrunde und verfassten kurze erklärende Artikel für unseren Gemeindebrief, den Martinsboten.

Die Kirchengemeinde St. Martin dankt ganz herzlich Insea Holt-Sahm und Henning Diers für ihr großartiges, ehrenamtliches Engagement und der Stiftung St. Martin für die großzügige Finanzierung dieses Heftes.  

 


 

Das lässt keinen kalt – Rot als Farbe in der Kirche
(Martinsbotenbeitrag von P. Marco Voigt)

Mögen Sie Rot? „Kommt ganz darauf an“, werden Sie vielleicht denken. „Rot an und für sich schon. Als Kind habe ich Rot aber noch lieber gemocht als heute – meinen roten Ball, den roten Roller…“

Dann ändert sich aber irgendwann unser Verhältnis zu Rot, und Männer und Frauen beginnen, Rot ganz unterschiedlich wahrzunehmen: In einem leuchtend roten Abendkleid auf einen Ball gehen – das trauen sich nur wenige Frauen, denn sie könnten sicher sein, den ganzen Abend die Blicke aller anderen auf sich zu ziehen, so wie es Chris de Burgh in seinem Lied „Lady in red“ besingt. Männer träumen von einem feuerroten Ferrari; eigentlich die einzige Farbe, in der man einen Ferrari überhaupt fahren kann… Ein ganzes Zimmer in seiner Wohnung rot zu streichen, das würden aber wohl nur die allerwenigsten machen, denn das wäre dann doch zuviel des Guten. Da würde man im wahrsten Sinne des Wortes Rot sehen.

Rot – das steht einerseits für Liebe und Leidenschaft, für das Weibliche im Menschen, das Geborgenheit schenkt.
Rot – das symbolisiert aber auch Gefahr, Aggressivität, das Männliche, das sich dem Kampf stellt. Beides braucht ein Mensch. Wer eines davon völlig aus seinem Leben ausschließt, dem fehlt etwas.
Rot – eine Farbe für das Besondere, nicht für das Alltägliche.
Eine Farbe, die uns anregt und aufregt, die uns wärmt und anfeuert. Die Farbe des Lebendigen, die Farbe von Fleisch und Blut. Die Farbe des Feuers, der Glut und der Flammen.

Und so steht auch in der Kirche Rot für zweierlei: Es ist die Farbe des Blutes, denn Jesus hat am Kreuz sein Blut vergossen – aus Liebe zu uns. Und es ist die Farbe des Heiligen Geistes, der zu Pfingsten in Gestalt von Feuer auf die Jünger herabkam. Durch ihn hielten sie plötzlich flammende Predigten, die keinen Menschen kalt ließen. Jesus selbst hat so geredet, und die Jünger, die auf dem Weg nach Emmaus waren, fragten sich: „Brannte uns nicht das Herz in der Brust, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schrift erschloss?“

Rot ist keine alltägliche Farbe, in unseren Wohnungen und Häusern nicht, und auch in der Kirche nicht. Daher sind die roten Paramente auch nur ganz selten zu sehen: Nur zu Pfingsten, zum Reformationsfest, dem „Geburtstag“ der evangelischen Kirche am 31. Oktober, und zu den Konfirmationsgottesdiensten, an denen wir den Heiligen Geist bitten, bei den konfirmierten Jugendlichen zu bleiben.

Mögen Sie eigentlich unsere neuen roten Paramente? Bald werden sie wieder einmal in der Kirche zu sehen sein. Sie auch?